Grau wird freundlich

"Grau, teurer Freund, ist alle Theorie ...", mahnt Mephisto in Goethes "Faust". Düsteres Grau sollte daher nicht gerade die dominierende Farbe für eine Schule sein. Doch genau dies war im Rotteck-Gymnasium in Freiburg der Fall: Der 1970 entstandene Bau war geprägt von Flächen aus Sichtbeton. Aus dieser überwältigenden Düsternis ein Gebäude von warmherziger Eleganz zu machen – das war die Herausforderung, der sich die Planer bei der umfassenden Sanierung der Schule zu stellen hatten.

Geprägt war die ursprüngliche Architektur der Schule vom Brutalismus der 1960er-Jahre: Purer Funktionalismus verband sich hier mit dem Einsatz roher Betonflächen, deren Struktur durch die Schalungsbretter bestimmt war. Was damals in seiner Direktheit und Klarheit als modern galt, empfanden die Schüler mit den Jahren keineswegs mehr als positiv. Im Gegenteil: Für sie war es nur mehr trist und grau – und das umso mehr, als sich nach und nach immer mehr hässliche Nutzungsspuren zeigten. Hinzu kamen Mängel im Brandschutz und der extrem schlechte energetische Standard des Gebäudes.

Kurz und gut: Das Gebäude musste grundlegend saniert werden. Die Planer von Böwer Eith Murken Architekten in Freiburg wollten dabei den ursprünglichen gestalterischen Ansatz beibehalten und dem Gebäude dennoch einen positiven Charakter verleihen, der Freude am Lernen schafft. Umgesetzt haben sie dies, indem sie den Sichtbeton innen zunächst einer umfangreichen Reinigung unterzogen, ihn dann weiß grundierten und schließlich grau lasierten.

Damit blieb der Sichtbetoncharakter erhalten, die Innenräume verloren jedoch ihre düstere Atmosphäre: Durch die nicht ganz deckende obere Schicht schimmert nun das Weiß noch hindurch. Der Räume wirken so trotz des Graus hell und freundlich.

Wo aus brandschutz- oder nutzungstechnischen Gründen Türen geschlossen oder und neue Wandflächen betoniert werden mussten, gelang es den Handwerkern, mithilfe einer eigens kreierten, fein abgestimmten  Spachtelmasse, die Struktur der Bretterschalung in den benachbarten Wänden nahezu perfekt zu imitieren. "Der Übergang zwischen Bestand und neuen Flächen ist praktisch nicht zu erkennen", erklärt Sascha Kuhberg vom ausführenden Betrieb Heinrich Schmid in Freiburg.

Da die Außenfassade gedämmt werden musste, konnte hier der ursprüngliche Charakter nicht erhalten bleiben: Der Baukörper erhielt eine neue Außenhaut in Gestalt eines Wärmedämmverbundsystems. Statt grau wählten die Planer hier ein sanft abgetöntes Weiß, was das Erscheinungsbild des Gebäudes nun zurück in die klassische Moderne führt. Kontrastierendes Element sind die Fensterbänder mit Rahmen aus Aluminium.

So wurde aus einem Gebäude, das von den Schülern als grauer Betonklotz empfunden wurde, eine Schule, die positive Lernatmosphäre bietet. Deren Grundfarbe ist zwar noch immer Grau – doch Grau ist eben nicht immer gleich Grau. (ud)

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