Baden in rosa Wasser

Rosa gilt nicht gerade als natürliche Farbe – von Blumenblüten einmal abgesehen. Bei einem See in Pink wird jeder eher an eine Verschmutzung durch den Menschen denn an eine natürliche Farbe denken. Und dennoch gibt es sie, die Seen in natürlichem Rosa: Mindestens acht größere Gewässer auf fast allen Kontinenten sind bekannt. Für ihre Rosafärbung sind entweder Bakterien, Algen, Salze oder Mineralien verantwortlich.

Der einzige westeuropäische See in Pink liegt in Spanien und heißt Salinas de Torrevieja. Wie der Name "Salinas" schon verrät, ist er sehr salzhaltig, und er befindet sich in der Nähe des Ortes Torrevieja im Südosten Spaniens. Er verdankt seine Farbe Algen, die einen Farbstoff produzieren, der den Gewässern im Sonnenlicht eine rosa Farbe verleiht. Wie intensiv diese Rosafärbung ist, das hängt stark vom Lichteinfall ab, wie so mancher Tourist bereits enttäuscht feststellen musste.

Ganz ohne Salz und ohne Algen kommt hingegen ein See in Kanada aus, der den wohlklingenden Namen "Dusty Rose Lake" trägt. Seine Farbe rührt aus der Zusammensetzung von Gesteinspartikeln her, die sein Zufluss aus den umliegenden, wohl eisenhaltigen und daher manchmal rötlich schimmernden Felsmassiven herbeitransportiert. Bereits dieser kleine Fluss ist rosa, wie auf Luftaufnahmen deutlich zu sehen ist. Wer den gut 400 auf 200 Meter großen See sehen möchte, muss entweder ein Kleinflugzeug chartern oder einen weite, beschwerliche Wanderung auf sich nehmen.

Auch in Afrika ist mindestens ein See in Pink bekannt. Das ist nicht etwa der berühmte Nakuru-See in Kenia, der zeitweise von Millionen Flamingos bevölkert wird und schon von daher rosa wirkt. Vielmehr handelt es sich um den Retba-See im Senegal, rund dreißig Kilometer nordöstlich von Dakar. Hier sind es Bakterien, die den auch Lac Rose genannten und gut sieben Quadratkilometer großen See rosa färben. Das Gewässer ist eine Art rosa Ausgabe des Toten Meers, denn auch hier gehen wegen des hohen Salzgehalts selbst Nichtschwimmer nicht unter.

Auch das Tiefland der Kaspischen Senke beherbergt einen rosa See: Der Masazirgol-See nahe Baku, der Hauptstadt Aserbeidschans, gehört auch in die Kategorie Salzsee. Hier sollen es Algen sein,  die den See rosa färben.

Gewässer in Rosa gibt es also in Amerika, in Europa, Afrika und Asien. Unbestrittener Spitzenreiter unter den Kontinenten, was die Zahl der pinken Gewässer angeht, ist jedoch Australien: Mindestens vier rosa Seen sind hier bekannt, allen voran der Lake Hillier in Westaustralien. Der 600 Meter lange Salzsee steht in dem Ruf, nicht nur ein besonders intensives, sondern auch ein sehr zuverlässig auftretendes Rosa aufzuweisen. Die Farbe verschwindet nicht etwa, wenn sich der Lichteinfall verändert, wie bei vielen anderen rosa Gewässern, sondern sie bleibt sogar erhalten, wenn Wasser aus dem See in ein Gefäß gefüllt wird.

Ein solches Experiment ist allerdings nur wenigen Auserwählten vergönnt: Der See liegt mitten im sogenannten Recherche-Archipel im Südwesten Australiens, das von der australischen Regierung zum Schutzgebiet erklärt wurde und von Touristen nicht betreten werden darf. Was die Färbung bewirkt, ist jedoch nicht restlos geklärt. Vermutet wird, dass im See eine einzigartige Kombination aus Bakterien und Algen am Werk ist.

Wer sich keinen Flug im Kleinflugzeug leisten kann, um den Lake Hillier zu sehen, kann den in der Nähe gelegenen sogenannten Pink Lake besichtigen. Dessen Farbe kommt durch die Zusammenarbeit von Algen und Bakterien zustande: Algen produzieren das rote Pigment Beta-Karotin, sogenannte Halobakterien sorgen hingegen für Pink. Heraus kommt dabei eine typische Pinkfärbung des Sees, allerdings nur, wenn der Salzgehalt und die Temperaturen hoch genug sind.

Ebenfalls als eher unzuverlässig – zumindest was die Farbe angeht – gilt die Hutt Lagoon, ein zumindest zeitweise rosa gefärbter Salzsee an der Westküste des Kontinents, der von einem Dünenriegel vom Ozean getrennt ist und dessen Oberfläche deutlich unter dem Meeresspiegel liegt. Im regenarmen Sommer trocknet der See jedoch fast völlig aus.

Bleibt noch der letzte rosa See in Australien, der sogenannte Quairading Pink Lake, nahe der gleichnamigen, etwa 150 Kilometer östlich von Perth gelegenen Ortschaft. Er erscheint auch nur zu manchen Zeiten intensiv rosa, hat aber zumindest den Vorteil, sehr verkehrsgünstig gelegen zu sein: Die Landstraße führt auf einer Brücke direkt über ihn hinweg. (ud)

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